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Bin ich homosexuell?

Vielleicht hast Du Dir in letzter Zeit Gedanken gemacht, ob Du homo oder hetero bist, weil Du plötzlich auf jemanden stehst, der das gleiche Geschlecht hat wie Du? Vielleicht dachtest Du lange, dass Du einfach hetero bist, wie Deine Eltern und der größte Teil der Menschen, die Du kennst. Du wusstest schon, dass es auch Menschen gibt, die sich in das gleiche Geschlecht verlieben: Schwule und Lesben. Aber auf einmal fühlt sich die Freundschaft vielleicht doch nach Liebe an und Du weißt nicht mehr, ob Du nun auf Jungs oder Mädels stehst.

Generell ist es nicht so einfach zu erkennen, ob man homosexuell, heterosexuell oder vielleicht auch bisexuell ist. Wenn Du Dir diese Fragen zu Deiner Identität gerade stellst, sei vor allem geduldig. Es dauert schon ein bisschen herauszufinden, wem man sich zugeneigt fühlt.

Homo- oder Heterosexuell?

Homo- oder Heterosexuell?

Du darfst grundsätzlich lieben, wen Du willst. Ob das, was Du fühlst, eine freundschaftliche Liebe ist oder eine Liebe, die auch sexuelle Anziehung beinhaltet, ist nicht so leicht herauszufinden. Wenn Du wissen willst, ob Du eventuell homosexuell bist, beobachte Dich genau. Wen findest Du erregend aber vor allem auch: Wem kannst Du Dich emotional besser öffnen?

Manchmal muss man es auch einfach ausprobieren. Wenn sich die Gelegenheit ergibt und Du Dich danach fühlst, knutsch ruhig mal mit einem Jungen, mal mit einem Mädchen. Du musst nicht schon in jungen Jahren wissen, ob Du nun hetero- oder homosexuell bist. Und vielleicht ist die Antwort auf Deine Frage eh: bi!

Eine gute Möglichkeit, sich und seine Gefühle, Sexualität und Identität besser kennenzulernen, ist es auch, sich mit Menschen zu unterhalten, die homosexuell sind. Vielleicht hast Du Bekannte, Nachbarn oder Freunde, die homosexuell sind und die Du fragen kannst, wie es für sie war, diese Entdeckungsreise anzutreten. Du musst ihnen gar nicht von Deinen Fragen berichten. Du kannst auch so viel für Dich aus solchen Gesprächen lernen.

Auch im Internet gibt es viele Seiten, die zu dem Thema beraten wollen. Da ist ein bisschen Vorsicht angesagt, denn diese Seiten wollen häufig, dass Du Dich positionierst: Hetero- oder Homosexuell? Meistens sind die Tests zudem von Leuten gestaltet, die nur die Clichés von Schwulen und Lesben im Kopf haben. Sie fragen Dich dann nur, ob Du den Cliché-Homosexuellen aus dem Fernsehen (sehr tussige, eitle, hochnäsige Männer mit fiepsiger Frauenstimme oder brüllende, kurzhaarige, stiernackige, männerhassende Frauen) entsprichst. Diese Chlichés sind natürlich weit von der Realität entfernt. Es gibt auch solche Homosexuelle, und die nimmt man dann im Straßenbild/Alltag auch als solche wahr. Aber es gibt auch schwule Schützenkönige inkl. Bierbauch und Schnauzbart oder lesbische TV-Moderatorinnen inkl. Zweiteiler und Dauerwelle. Alle Nebenidentitäten sind möglich, Deine Sexualität hat nichts mit dem zu tun, wie Du sonst so drauf bist! Es gibt auch schwule Rapper und lesbische R’n’B Sängerinnen.

Wenn Du also wissen willst, ob Du homosexuell bist, dann warte einfach ein paar Erfahrungen ab. Erfahrung heißt nicht unbedingt Sex, manchmal reicht schon eine Fast-Berührung und Du weißt, was Du magst und was nicht. Sei nur geduldig mit Dir und umgib Dich mit Menschen, die Dich gern haben, egal ob Du hetero- oder homosexuell bist!

Homosexualität in Amerika

Die Globalisierung der Gay Bewegung
Schwule und Lesben in den USA kämpfen seit den 1950er für ihre Rechte

Schon seit den 1950ern Jahren kämpfen die amerikanischen Gays für ihre Rechte. Ihr Einfluss auf die globale Bewegung ist enorm.

In den 1950ern Jahren wäre es lebensmüde und illegal gewesen eine pro-gay Organisation in den USA zu gründen. Die damaligen Zusammenschlüsse tarnten sich mit Codenamen wie “Mattachine Society” oder “Daughters of Billitis”. Gleichzeitig empfahl das American Law Institut alle opferlosen Straftaten, vor allem bezüglich einvernehmlichen Sex unter Erwachsenen, in straffreie Verstöße umzuwandeln. In den folgenden Jahren nahmen sich dieser Empfehlung nur wenige Staaten an.

Die Gay-Bewegung erhielt erst mit den Ereignissen von 1969 Aufwind. Die in Deutschland als Christopher Street Day bekannten Tumulte wurden von der Polizei ausgelöst. Sie hatte versucht eine Razzia in einem Gay-Club durchzuführen.

Christopher Street Day

Christopher Street Day

Ein weiterer Durchbruch ergab sich mit dem Urteil der Psychiatric Association, die Homosexualität nicht mehr als psychische Krankheit, sondern gesundes Verhalten bezeichnete. Der legale Durchbruch kam durch Gesetzesinitiativen der Demokraten. In den 1970er und 1980er Jahren entstanden viele Gesetzte die die Gay-Bewegung schon lange forderte und die formale Diskriminierung von Schwulen und Lesben eindämmen sollten.

1984 wurden dann erstmalig “gay partnerships benefits” gewährt. Schwule und lesbische Paare waren in einigen Staaten nun gleichberechtigt mit heterosexuellen Paaren, was ihre Rechte und Pflichten gegenüber dem Partner/der Partnerin anging. Aber erst in den 1990er Jahren kam es – initiiert durch eine Klage vor dem hawaiianischen Verfassungsgericht – zu einer breiten Diskussion in der amerikanischen Gesellschaft.

Nach und nach haben einige Bundesstaaten ihre Legislaturen geändert, Diskriminierung abgebaut und gleichgeschlechtliche Ehen eingeführt. Zeitweise kam es auch zu einem Roll-Back. Die Gay-Community muss beständig für ihre Rechte kämpfen, auch für die schon geltenden. Einen Durchbruch stellte auch das Urteil des High Court aus 2003: Alle Gesetze, die Homosexualität unter Strafe setzten oder verurteilten, mussten sofort von den Ländern getilgt werden.

Sehr späte Erfolge konnte die Gay Bewegung in den USA beim Militär verzeichnen. In den 1990er Jahren gelang es lediglich das offene Verbot von Homosexualität im Militär durch die Politik des “Don’t Ask, Don’t Tell” zu ersetzen. Die offizielle Empfehlung an Gays, die in die Armee wollten, war ihre Sexualität zu verschweigen. Erst 2010 nahm President Obama diesen letzten Teil der staatlichen Diskriminierung von Schwulen und Lesben in den USA zurück.

Generell hat die amerikanische Gay-Bewegung einen hohen Einfluss auf Aktivisten in der ganzen Welt. Wichtige globale Symbole, wie die Regenbogenflagge kommen aus den USA. Gilbert Baker hat sie 1978 für die “San Francisco’s Gay Freedom Celebration” entworfen. Sie soll die Unterschiedlichkeit der Schwulen und Lesben in der ganzen Welt abbilden.