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Bisexualität

Wenn die Liebe alle trifft

Der Begriff bisexuell wurde zunächst als eine medizinische Bezeichnung für Menschen gebraucht, die mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt gekommen sind. Heute nennt man dieses seltene Phänomen Hermaphroditismus oder Intersexualität.

Bisexuell beschreibt heute also nicht mehr die körperliche Beschaffenheit, sondern die sexuelle Neigung. Menschen, die bisexuell sind, fühlen sich emotional und sexuell von beiden Geschlechtern angezogen. So weit, so gut. Für einen Menschen ist es nicht einfach herauszufinden, ob er oder sie bisexuell ist. Die reine körperliche Anziehung ist noch einfach auszumachen. Doch auch viele, die sich eigentlich als hetero- oder homosexuell bezeichnen, fühlen sich generell auch von beiden Geschlechtern angezogen. Wichtig ist, wem sie sich auch emotional öffnen können. Das kann ein Mann oder eine Frau sein. Wer wissen will, ob er oder sie bisexuell ist, muss also in den Genuss/das Drama kommen und in seinem Leben mindestens jeweils eine enge gleichgeschlechtliche und getrenntgeschlechtliche Bindung einzugehen.
Manche Bisexuelle berichten, dass sie viele Männer anziehend und zum Verlieben finden aber nur wenige Frauen und umgekehrt. Andere wiederum haben einen “ausgeglichenen” Geschmack und finden ähnlich viele Männer wie Frauen attraktiv.

Eine klare Aussage darüber, wer bisexuell und wer monosexuell (also sich nur für Männer, oder nur Frauen interessiert) ist, kann kaum getroffen werden. Dementsprechend gibt es auch wenige Statistiken darüber.

Leider neigen die Menschen dazu, sich schnell zu positionieren. Sie wollen entweder das eine (Homo) oder das andere (Hetero) sein. Vielen fällt das auch leicht und deswegen haben sie kaum Verständnis für offene Bisexuelle. Da der größte Teil der Gesellschaft sich als heterosexuell definiert, haben Bisexuelle es hier – ähnlich wie Schwule und Lesben – oft schwer. Allerdings werden sie auch in den Schwulen- und Lesbenszenen nicht immer akzeptiert, da sie ja nicht “wirklich schwul/lesbisch” sind und auch “mit den anderen wollen”. Bisexuellen fällt ihr Outing somit – je nach sozialem Kontext – doppelt schwer, da sie sich zwar von der “normalen” Gesellschaft abwenden, aber nicht in den Schutzraum der Schwulen- oder Lesbenszene aufgenommen werden können.

Seit einigen Jahren ist diese Ausgrenzung in beiden Milieus ein wenig aufgebrochen. Immer mehr Szeneveranstaltungen laufen mittlerweile unter der Queer-Flagge, die Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender und gay-friendly Heteros gleichermaßen integriert. Auch die Mainstreamgesellschaft öffnet sich mehr und mehr für Sexualität und Liebe abseits der klassischen Mann-Frau Beziehung.

Kirche und Homosexualität

Lesben, Schwule und die Kirche – von Sünde bis Segnung
Kirchen in Deutschland haben keine einheitliche Einstellung zur Homosexualität

Die Kirchen in Deutschland sind in der Frage der Akzeptanz von Homosexualität in ihren Gemeinden gespalten. Dabei stehen sich vor allem die Freikirchen und die evangelischen Kirchen als Extreme gegenüber. Während die freikirchlichen Christen Homosexualität – gelebt oder nur gefühlt – als Sünde betrachten, integrieren viele evangelische Gemeinden Homosexuelle vollständig.

Homsexualität und Kirche

Homsexualität und Kirche

Die katholische Kirche legt Wert darauf, dass sie Homosexualität nicht per se als Sünde deklariert, sondern nur dann, wenn sie gelebt wird. Diese Einstellung ergibt sich aus dem allgemeinen Verständnis von Sexualität: Sie soll nicht dem Vergnügen, sondern ausschließlich der Fortpflanzung dienen. Auch heterosexuelle Paare sündigen diesem Verständnis folgend, wenn sie aus Spaß miteinander schlafen ohne dabei Nachwuchs zu zeugen.

Für Schlagzeilen sorgen immer wieder Fälle, in denen Homosexuelle, die in einer katholischen Einrichtung arbeiten, nach ihrem Outing eine Kündigung erfahren müssen. Diese Art der Diskriminierung trifft jedoch Heterosexuelle, die unverheiratet in einer Partnerschaft leben oder zum zweiten Mal heiraten gleichermaßen. Generell sind solche Kündigungspraktiken nicht erlaubt, die katholische Kirche genießt hier als Arbeitgeber aber besonderen Schutz seitens des Gesetzes.

Umfragen zeigen jedoch, dass viele Katholiken, die nicht dem theologischen-bürokratischen Apparat angehören, keineswegs homophob sind. Viele erkennen Homosexualität als gleichberechtigte Lebensform an und setzten sich teilweise auch in lokalen Gremien für einen Abbau der Diskriminierung ein.

Homosexualität ist auch in der evangelische Kirche nicht unumstritten. Der Grad der Integration hängt hier stark von der jeweiligen Landeskirche und der Gemeinde vor Ort ab. In vielen Gemeinden werden gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften in einem hochzeitsähnlichem Zeremonielle gesegnet und in einigen Landeskirchen werden auch lesbische und schwule Geistliche samt Partnerschaft in die Gemeinde aufgenommen.

Besonders schwierig erscheint in allen Christlichen Gemeinden die Integration von Homosexualität in die aus der Bibel abgeleiteten Glaubenslehre. Die Stellen in der Bibel die zur Rechtfertigung von Toleranz oder Diskriminierung von Homosexualität herangezogen werden, sind unter Theologen umstritten.

Es gibt seit den späten 1970ern verschiedene Initiativen, die sich für eine progressive Auseinandersetzung mit dem Thema Kirche und Homosexualität – aus theologische Sicht – einsetzen (z. B. die “Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche”). Die mittlerweile sehr tolerante Einstellung vieler evangelischer Landeskirchen und die abnehmende öffentliche Diskriminierung durch die katholischen Kirche können auch auf ihre Aktivitäten zurückgeführt werden.

Die Rechte von Homosexuellen in den Kirchen unterliegen zur Zeit einem großen Wandel. In wie weit die christlichen Kirchen zu einer gemeinsamen Position kommen, hängt auch von ihren Mitgliedern ab.