Schwul, lesbisch oder Homosexuell?

“Ich bin homosexuell und das ist auch gut so!?”
Warum Schwule schwul sind und Lesben lesbisch.

Die heute üblichen Selbstbezeichnungen von gleichgeschlechtlich Liebenden sind “schwul” und “lesbisch”. In vielen Zeitungsartikeln und öffentlichen Aussprachen wird jedoch von Homosexuellen geredet. Die gängige Abgrenzung der Begriffe liegt in dem reinen Handeln (homosexuell) und der Identität (schwul/lesbisch). Viele Lesben und Schwule wehren sich gegen die Bezeichnung “homosexuell”, weil sie sich dadurch auf die Sexualität reduziert fühlen.

Homosexuelle Partnerschaft

Homosexuelle Partnerschaft

Lesbisch oder Schwul sein kann eben auch heißen, Fürsorge für einen anderen Menschen zu leisten und den Wunsch nach partnerschaftlicher Bindung zu pflegen.

Das Wort “Homosexualität” wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erstmalig gebraucht und später durch ein medizinisches Werk verbreitet, in dem Homosexualität als perverse sexuelle Neigung diffamiert wurde. Dementsprechend ablehnend sind viele Schwule und Lesben gegenüber diesem Begriff eingestellt. Außerhalb der Szene gibt es bisher wenig Sensibilität für solche begrifflichen Unterschiede.

Der Begriff schwul wurde zunächst – wie heute noch im Englischen – für beide Geschlechter gebraucht. Seine Herkunft ist nicht eindeutig nachzuvollziehen. Der Begriff war lange das Äquivalent zum heutigen “schwül”. Die einfachste Verbindung liegt in dem Begriff “Warmer Bruder” und der darin versteckten Information, dass der Bruder anderen Brüdern nicht kühl (distanziert) sondern warm (nähesuchend) eingestellt ist. Daneben stehen auch sehr simple Vorstellungen von Männlichkeit (Kälte) und Weiblichkeit (Wärme) als Erklärung bereit. Schwulsein wird auch heute noch als Unmännlichkeit abgetan.

Lesbisch leitet sich von der Griechischen Insel Lesbos ab. Hier lebte im 6. Jahrhundert vor Christi die griechische Dichterin Sappho, die die Liebe zwischen Frauen besang. Seit dem 17. Jahrhundert hat der Begriff in Europa Fuß gefasst, im 19. Jahrhundert war in Deutschland zudem von der sapphistischen Liebe die Rede. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde lesbisch – genau wie schwul – häufig als abwertender Begriff benutzt. Heute verwenden Lesben den Begriff selbstbewusst als Selbstbezeichnung.

Als schwul werden schon seit vielen Jahren – gerade durch Jugendliche – auch in irgendeiner Weise als unmännlich empfundene oder generell “uncoole” Verhaltensweisen bezeichnet. Diese stark gebraucht negative Verwendung des Begriffs wird von vielen LesBiSchwulen Vereinen als eine große psychische Belastung für junge Menschen, die vor ihrem Outing stehen, betrachtet. Sie setzten sich deshalb vermehrt an Schulen für eine Sensibilisierung der meist nicht homophoben, sondern nur unachtsamen Jugendlichen ein.

In anderen europäischen Sprachen haben sich Wörter von den Stämmen “Lesbos” und “Gay” durchgesetzt. Daneben wird auch der Begriff homosexuell gebraucht. Der Gebrauch innerhalb und außerhalb der Szene ist ähnlich und genau wie in Deutschland erleiden auch Schwule und Lesben in anderen europäischen Ländern sprachliche Diskriminierung.

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